04. April 2026
Besonders wichtig war mir, nicht nur Goethes Faust. Der Tragödie erster Teil zu zitieren, sondern auch weiter zurückzugehen – zu der Historia von D. Johann Fausten von 1587. Die Druckplatte orientiert sich an dieser frühen Erzählung, die noch viel roher und unmittelbarer ist als die spätere literarische Fassung. Dadurch entsteht im Werk selbst ein Spannungsfeld: zwischen Ursprung und Interpretation, zwischen Volksbuch und Dichtung, zwischen direkter Erzählung und innerem Konflikt.
26. März 2026
Dieses Werk entstand aus einem einzigen Wort, das sich wie ein Echo durch den Text zieht: Nimmermehr. Ein literarischer Schatten, der nicht erklärt werden muss. Der Rabe erscheint hier nicht als Figur, sondern als Spur — ein Schädel, eine Linie, ein Gedanke, der bleibt. Mich interessiert an diesem Motiv weniger das Dunkle als das Beharrliche. Der Rabe ist kein Bote, sondern ein Erinnerer. Ein stiller Besucher zwischen den Zeilen. Ein Rabe, der nicht spricht — aber nachhallt.
21. März 2026
Manche Arbeiten entstehen aus einer klaren Idee. Andere beginnen eher beiläufig. Dieses Werk gehört zur zweiten Kategorie. Am Anfang stand kein konkretes Konzept, sondern nur das Material: alte Buchseiten, bereits gelesen, vielleicht vergessen, aber nicht bedeutungslos. Papier, das Spuren trägt. Beim Ausschneiden und Falten entstand nach und nach eine Form. Zunächst ohne eindeutige Richtung – eher ein Versuch, dem Material eine neue Ordnung zu geben. Erst später wurde daraus ein...
15. März 2026
Für dieses Werk habe ich mich von Kazuo Ishiguros wundervollen Buch "Was vom Tage übrig blieb" inspirieren lassen. Links zeigt sich die Welt der Pflicht: die Silhouette einer dienenden Hand, ein Schatten eines Lebens voller Pflichterfüllung. Rechts zeigt sich eine leise Vorstellung dessen, was vielleicht möglich gewesen wäre: Leben, vielleicht auch Liebe. Was bleibt, ist ein stiller Gedanke: Es ist nie zu spät, dem Tag noch einen guten Abschluss zu geben.
07. März 2026
Manchmal entsteht Orientierung nicht durch Linien, sondern durch Worte. Diese Karte sammelt Begriffe, die auch mit innerer Navigation zu tun haben: Kurs, Leitstern, Heimathafen. Sie stehen wie kleine Markierungen im Raum, ohne etwas festzulegen. Die Zeichnung bleibt bewusst reduziert – die Küste, ein Leuchtturm, ein Kompass. Alles Elemente, die eher andeuten als beschreiben. Mich interessiert das leise Zusammenspiel von Material, Linie und Sprache. Eine Karte, die weniger Wege zeigt als...
25. Februar 2026
Ein grauer Einband wie eine Fassade aus Stein, innen ein kleiner Raum aus Holz, Metall und verblassten Noten. Die Registerbegriffe stehen wie ein Pfeifenwerk aus Sprache, dahinter nur ein Hauch von Linien, ein leises Echo. Ein stilles Stück über Architektur und Resonanz.
21. Februar 2026
In alten Büchern schlafen Schatten länger, als man glaubt. Der Buchdeckel mit seinem rot‑schwarzen Muster wurde zum Ausgangspunkt – ein Fundstück, das sofort das Vampyr‑Thema in mir geöffnet hat. Gearbeitet habe ich mit Gouache und Stempelfarbe; den Text setzte ich in „Drachenblut“, einem Rot, das wie ein leises Ritual über dem Papier steht. Der Vers stammt aus "Der Giaur" von Lord Byron – ein Fragment voller Dunkelheit, Begehren und Unruhe, das sich fast von selbst in das...
15. Februar 2026
Felix Krull ist eine Figur, die sich selbst erfindet – charmant, leichtfüßig, immer im Spiel mit Identität. Diese Haltung wollte ich in meiner Buchdeckelkunst sichtbar machen. Ich habe mit Fragmenten gearbeitet: alten Buchseiten, dem Buchdeckel und -rücken einer Felix-Krull-Ausgabe von 1958, typografischen Spuren, Linien wie lose Gedankenfäden. Die Collage bleibt bewusst offen und schillernd – so wie Krull selbst. Jede Schicht ist eine kleine Maskierung, ein Rollenwechsel. Die Farbwelt...
25. Januar 2026
Zeit lässt sich nicht festhalten – und genau darin liegt ihr Reiz. In "Tempus fugit" wollte ich Bewegung, Vergehen und die stille Dringlichkeit dieses Satzes sichtbar machen. Ich habe mit alten Buchdeckeln, Patina und einer reduzierten Farbwelt gearbeitet. Linien und Schriftzüge bleiben fragmentarisch, als würden sie sich im nächsten Moment weiterziehen oder auflösen. Die Komposition ist offen, fast atmend. Die Materialien tragen Spuren von Gebrauch und Vergänglichkeit – kleine...